Die Schiefe Tour nach Pisa

Zu Fuß ans Mittelmeer

Schlagwort: Stillgelegte Bahnstrecke

Etappe 5: Winsen (Luhe) – Ollsen

Winsen, Donnerstag 15. Februar 2018. 7:12 Uhr.
Februar!!! Irgendwas muss uns durchgeknallt sein, dass wir heute, bei etwa 0 Grad, und angesagtem Schneeregen uns auf den Weg machen. Den Weg weiter nach Pisa. Naja, Nahziel ist erstmal die Lüneburger Heide.
Es ist kalt. Nicht so, dass man sofort erfriert, nein, es ist eher eine Kälte die so ganz langsam in die Kleidung kriecht, sobald man sich nicht mehr bewegt. Natürlich sind wir nicht in Badehose unterwegs und den Wetterbericht haben wir auch studiert und sind dementsprechend gekleidet. Und ja, sicher geht es auch noch deutlich kälter. Trotzdem wären uns Sonnenschein und 20 Grad etwas lieberes Wanderwetter gewesen. Kommt noch. Sogar in Pisa klettert das Thermometer heute auch nicht über 10 Grad und Regen ist dort auch angesagt. Von daher ist es gar nicht so schlimm dass wir noch nicht dort sind. So liegt der Weg noch vor uns.
Damit die Kälte eben nicht ganz langsam in die Kleidung kriecht, sobald man sich nicht mehr bewegt, bewegen wir uns.
Zunächst einmal schnell nachholen, was wir letztes Mal vergessen haben. Ein Foto unseres vorigen Etappenzieles und heute Beginnes – der Bahnhof Winsen.

Etwas später stelle ich fest, dass der Autofokus in meiner Kamera ausgeschaltet war. Naja…

Hier zum Nachverfolgen der Streckenverlauf:

Also geht es zunächst durch Winsen. In der Schule hier fängt gerade der Unterricht an. Auf dem Fahrrad kommen uns Pendler auf dem Weg zum Bahnhof entgehen. Auf die Idee hier zu Wandern kommt außer uns niemand.

In Hamburg sind wir zwar nicht, einen Jungfernstieg gibt es trotzdem.


Diese Straße hat man wohl vergessen, weiterzubauen.

Wir unterqueren die A39 und erreichen Luhdorf. Man könnte lästern ob sich da beim ersten Buchstaben jemand im Alphabet um einen Buchstaben vertan hat. Machen wir aber nicht.

Luhdorf hat einen Bahnhof. Und zwar den der OHE-Bahnstrecke Winsen-Soltau. Ein Herr hält an und fragt, ob er fragen dürfe, was wir denn hier so fotografieren. Darf er. Verdattert fährt er weiter und ich dokumentiere fotografisch den Bahnhof mit einem Abstellgleis. So wirklich oft fährt hier nichts, die Gleise sind angerostet und geplante Museumsfahrten hatte ich im Vorwege dieser Tour auch nicht gefunden.

Das verstehe ich nicht. Es gibt doch bereits eine Trasse durch die Nordheide und der ICE fährt auch schon durch Winsen. Anscheinend wollen die Luhdorfer gerne einen ICE durch Ihr Ortsschild fahren lassen. Oder wollen sie nur einen eigenen ICE-Halt? Es ist zumindest derzeit keine neue Trasse mehr geplant. Nur ein Ausbau der bisherigen Strecke durch Winsen.

Am Luhekanal existiert eine Kanu-Slalomstrecke.

Wie spazieren entlang des Luhekanals über eine breite, alte Allee in den Morgen hinein. Hier liegen ein paar Geocaches die wir natürlich „mitnehmen“.

Hinter Bahlburg endet unser Weg im Bahlburger Bruch und wir erreichen die ehemalige Bahnstrecke Buchholz-Lüneburg. Ein Abschnitt der Strecke Bremerhaven-Berlin
Wikipedia

Im Wald fanden sich Bäume, Büsche, Tiere, Blätter, einen alten Bahndamm und eine Nähmaschine.

Rechts und links des Weges sprießt schon grünes Gras! Der Frühling kommt!


Der alte Bahndamm


Was ist das?


Noch 248km bis Berlin!


Ein altes Signalmastfundament

Die Schienen sind abgebaut, aber sonst ist der Bahndamm noch deutlich als solcher zu erkennen. Wir folgen dem Bahndamm bis nach Wulfsen. Hier kreuzten sich die zuvor schon gesehene OHE-Strecke Winsen-Soltau mit der DB Strecke Buchholz-Lüneburg. Das Bahnhofsgebäude von Wulfsen ist vorbildlich restauriert, die Bahnsteige und der Gleisbereich hat sich selber renaturiert.


Kurz vor Winsen die Brücke über die OHE-Strecke





Man beachte den Gleisrest in der Straße

Etwas abseits vom Bahnhof machen wir Frühstücks- und Mittagspause zugleich beim örtlichen EDK.


Das Bahnhofsgebäude von Wulfsen


Gleisreste am Bahnhof …


Bahnhofsgebäude in Wulfsen mit selbst renaturiertem Gleisbereich.


250km bis Berlin


Das ehemalige Bahngelände in Wulfsen wird jetzt teilweise bebaut.


Der Bahndamm hinter Wulfsen


Noch ein Durchlass


Der ehemalige Bahnsteig in Tangendorf


Eine Brücke über die Hauptstraße – von oben.

Wir verfolgen auf Parallelwegen die Strecke durch Tangendorf bis unter die Autobahn A7.


Na, was bedeutet dieses Signal?
(Ich weiß es, sag‘ es aber nicht, hihi…)


An km 254 wohnen die Bienen


Hier unterquerte die Strecke die Autobahn A7.

Nach der Unterführung verlassen wir die Strecke endgültig und erreichen ein ehemaliges Tonabbaugebiet bei Brackel. Den dortigen Geocache finden wir nach einiger Suche. Von der hier ehemals existenten Feldbahn erkennt man nur noch den Bahndamm und einige Gleisprofile, die als Zaun aus der Erde ragen.


Ein ehemaliger Bahndamm der Feldbahn im Tonabbaugebiet.


Dorfszene. Man beachte die Kuh. Ein Anwohner fragt ob wir das denn gesehen hätten und ob das so seine Richtigkeit hätte. Wir wissen es nicht. Ist ja vielleicht die Hofkuh auf Wachposten.

Nach einem kurzen Kaffee-Tankstopp laufen wir zunächst parallel zur Hauptstraße und dann über schöne Wald- und Feldwege nach Hanstedt. Hagel vom Typ Viele-kleine-Körnchen-die-so-fies-pieken-auf-der-Haut begleitet uns durch den Ort.





Hier hätten wir bequem den Bus zurück nehmen können, doch irgendwie fühlen wir uns noch nicht „fertig“ genug und wagen noch weitere 4 Kilometer weiter bis nach Ollsen.

Etwa auf halben Weg bleiben wir stehen. Bisher merkten wir den zurückgelegten Weg schon ein wenig – jetzt holt er uns ein. Die „Schallmauer“ von 30 Kilometer macht den Weg mühsam. Keine Schmerzen, keine Erschöpfung, nein, es ist undefinierbar. Die Beine sind schwer, es ist kalt. Eine unsichtbare Bremse. Der Bus fährt erst in einer halben Stunde, also haben wir keine Motivation uns zu beeilen. Dennoch wollen wir das Ziel erreichen. Wir sind glücklich und erschöpft, aber nicht fix und fertig. Aber im Warmen sitzen wäre schon was! So erreichen wir stolz das erreichte Maximal-Etappenziel.



Die Wanderung war kein Ponyhof, aber die Bushaltestelle heißt trotzdem so… Ein natürlich unbeheiztes, einsames Haltestellenhaus lässt uns die letzten 20 Minuten frieren. Werden wir hier beim nächsten Mal doch noch auf Ponys treffen?

32 Kilometer liegen hinter uns. In 9 Stunden incl. Pausen haben wir diese Strecke bewältigt. Das ist in km/h gerechnet schneller als die vergangenen Etappen, aber die Temperaturen luden auch einfach nicht zu längeren Pausen ein. So haben wir einige Kilometer auf dem Weg nach Pisa gut gemacht!

Wir freuen uns auf eine schöne 6. Etappe durch die Lüneburger Heide, dafür sind dann aber angenehmere Temperaturen bestellt.

Etappe 2: Trittau – Aumühle

Auf geht es zur zweiten Etappe auf der Schiefen Tour nach Pisa!
Das heißt: Ich hab nach der 1. Etappe Gefallen gefunden und werde die Tour fortsetzen.

Hier die Route:

Mein als Opel Corsa getarnter Ferrari bringt mich zurück zum Bahnhofsvorplatz Trittau. Ja, der Bahnhofsvorplatz mit Bahnhofsgebäude aber ohne Bahnhof, dafür mit Baum.

Von diesem ausgehend führt der Weg schnell zurück auf die ehemalige Bahntrasse mehr oder weniger schnurgerade durch Trittau. Oder besser: Trittau periphär tangierend.

Von daher bekommt man hier vom Ort wenig mit, bis auf den Blick auf einen Bogenschießplatz und abzweigende Wege in die Hahnheide, einem zum Naturschutzgebiet deklarierten Wald. Darin lt. Openstreetmap:
– Großer Hahnheider Berg (99m)
– Kleiner Hahnheider Berg (100m)
Vielleicht mache ich dort noch vor meiner Alpenquerung ein Höhentraining. Aber das hat noch etwas Zeit, von daher wandere ich weiter auf der Bahntrasse und erreiche den ehemaligen Bahnhof Trittau-Vorburg.

Früher sah es hier so aus: (LINK)

Ein etwas anderer Blickwinkel: (LINK)

Der Bahnübergang sieht heute fast noch genauso aus. Zumindest die Straße, die darüber führt.: (LINK)

Den dort auf der Bahntrasse liegenden Geocache spare ich mir entgegen der ursprünglichen Planung ob des wilden Bewuchses des für ein kurzes Stück wegfreien Bahndammes.
Weiter geht es auf der anderen Straßenseite vermeintlich auf dem Bahndamm, dann allerding wurde mir schnell klar, dass der Damm rechts des Weges, hinter dem ganz scheu ein Reh hervorblickte, dann wohl der wirkliche Bahndamm ist.

Eindeutig klar wurde dies an diesem tollen Viadukt über die Bille. Du Bille, Sie Bille, nein einfach Bille. Dieses Flüsschen wollte ich nun auf dem weiteren Lauf in Richtung Hamburg ein Stück weit begleiten. Aber noch nicht ab hier. Hier lockte ein Geocache auf den Bahndamm. Beim Besteigen desselbigen hoffte ich auf dem Rückweg hier nicht herunterzupurzeln, denn Bahndämme sind ja bekanntlich recht steil. Ein schöner Blick ergibt sich auf der anderen Seite über die Felder und die Bille.

Das dachte sich auch der Errichter dieses Rastplatzes.

Ein Trampelpfad führt auf dem Bahndamm weiter, verläuft dann aber leider im Gebüsch. Und ob es einen Weg nach unten gibt weiß ich auch nicht so recht. Also drehe ich lieber um und gleite mehr oder weniger elegant den Damm hinunter und setze den Weg neben dem Bahndamm bis Hamfelde fort.


Landschaft.


Noch mehr Landschaft.

Eine Schnecke wartete hier schon in der Überholung:


Stiller Beobachter.

In Hamfelde gab es einst einen Haltepunkt: (LINK)

Er müsste sich links dieses Gebäudes befunden haben.

Heute ist die Papiertonne dran.

Von Hamfelde nach Dahmker geht es nun schnurgerade auf der Trasse weiter. Irgendwo mittendrin die Überraschung: Ein Gleisrest!

Ganz klassisch im Bahnübergang locken einige Meter zum Befahren mit einem Schienenfahrzeug. Leider besitze ich keine Klappdraisine, sonst hätte man diese hier nicht nutzen können, denn es sind ja nur ein paar Meter.
In Dahmker verlasse ich dann endgültig die Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Bad Oldesloe – Schwarzenbek. Weiter ginge es wohl nur offway. Am hisigen Bahnübergang findet sich neben einem weiteren Gleisrest ein weiteres Überbleibsel der Vergangenheit.

Sprengschächte. Wer nicht weiß, dass es sowas gibt, denkt an schlichte Gullideckel. Leser dieses interessanten Beitrags auf geschichtsspuren.de wissen um die Bedeutung. Kurz gesagt hat man hier vorbereitet, dass falls im Kalten Krieg „der Russe kommt“, man den Bahnübergang schlicht hätte wegsprengen können um in Kombination mit der Bahntrasse ein Hindernis zu haben. Schließlich ist die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze hier kaum 30km weit weg. Hoffen wir, dass wir nie wieder für so etwas Notwendigkeit haben. Wo sie nicht störten, hat man die Schächte bis heute so belassen. Nicht nur hier wie ich später feststellte.
Regen. Nieselregen. Gut, dass ich einen Regenschirm dabei habe. Allerdings nur wenige Minuten.
Bäume gibt’s…

In Kuddewörde ist es bereits wieder trocken. Zumindest von oben. Ein Abstecher führt mich zur Bille.

Die starken Regenfälle brachten zeitgleich im Harz die Flüsse zum Überlaufen, hier auch. Stören tut es aber nur ein paar Pferde und Gassigeher, die ihre Anglerhosen nicht dabei haben um den auf die Brücke folgenden Wasserweg trockenen Fußes nutzen zu können.

Leise Befürchtungen, dass durch den hohen Pegelstand der im weiteren Verlauf durch mich zu begehende Billewanderweg teilweise überflutet sein können bestätigten sich zum Glück nicht.
Hier treffe ich zum ersten Mal auf den E1. Nein, nicht die Autobahn in Portugal, sondern den Europäischen Fernwanderweg E1. Diesen werde ich im weiteren Verlauf meiner Wanderung nach Pisa sicherlich öfter queren oder teilweise nutzen, schließlich verläuft dieser vom Nordkap nach Sizilien, da liegt Pisa ja auch grob in der gleichen Richtung.

Ich überquere die B404 wieder mit Hilfe einer Brücke. Grande. Bekannt durch die Autobahnabfahrt. Toll solche unscheinbaren Dörfchen, die nur weil eine Autobahnabfahrt so benannt ist doch irgendwie jeder kennt. Und sei es nur aus dem Verkehrsfunk.

Die Grander Mühle. Die Gaststätte hat leider noch zu, daher muss an der Kreuzung der Bäcker für eine Wegzehrung herhalten. Hier kann man sein Kanu in die Bille einsetzen, außer vom 1. März bis 14. August. Gut, dass ich sowieso zu Fuß gehen wollte.
Wer jetzt oben dem Link zu Geschichtsspuren.de gefolgt ist, wird auf dem 2. Bild eine Reihe vorbereiteter Trägerstecksperren entdecken. Unauffällig auffällig.
Ach herrje habe ich schon viel geschrieben. Ich hoffe ich langweile Euch nicht mit Details?

Nach einem kurzen Schlenker führt mein Weg, ebenso der E1, zur Bille, an der ich jetzt fast 10 Kilometer auf dem Billewanderweg bis Aumühle laufe. Leider an einigen Stellen etwas sehr viel matschig aber sonst sehr schön. Nutzwald links (teilweise getarnt durch ein paar Meter Naturwald), Bille rechts. Teilweise auf Flußniveau, teilweise mit echten Steiluferchen, immer bisschen rauf und runter.

Eigentlich wollte ich hier kurz nach der Halbzeit des Weges ja meine zuvor gekaufte Wegzehrung vertilgen, doch irgendwer hat vergessen im Naturschutzgebiet Bänke aufzustellen. Und der Boden ist doch sehr nass. Also kurzerhand ein Hochsitz gemietet und dort hoch gesetzt.

Es folgen 10 Kilometer perfekte Natur, Ruhe, Erholung. ABER: Selten habe ich mich so über Autobahnlärm aufgeregt. Fast die gesamten etwa 4 Kilometer bis zur Autobahn denkt man „in 200m laufe ich unter der Autobahn durch“. Erst als diese dann tatsächlich unterlaufen ist, wird es irgendwann ruhiger. Schallschutzwände auch in die Wälder!
Der Bus zurück von Aumühle nach Trittau fährt im Stundentakt. Beliebte Frage: Beeilen, oder Zeit lassen und eine Stunde später fahren. Als das Erreichen des Busses ohne besondere Eile aussichtslos erscheint, entscheide ich doch bis Aumühle vollständig an der Bille entlang zu wandern und nicht abzukürzen, wie es der E1 empfiehlt.
Ganze 2 Hundespaziergänger begegnen mir hier in Zivilisationsnähe.

Irgendwann ist dann doch Aumühle erreicht, auf einem See sind Jungschwäne zu beobachten. Ebenso Gäste zweiter Gasthäuser. Theoretisch hätte ich jetzt hier auch einkehren können und die Wanderung in Richtung Geesthacht fortsetzen können.

Das hebe ich mir aber für später auf, vertrödle die restliche Wartezeit auf den Bus auf der Bahnhofsbrücke mal wieder ein paar Eisenbahnfotos zu machen.

Gut, dass ich nicht nach Hamburg muss!

Hier geht es weiter: S-Bahnhof Aumühle

Besonders hervorzuheben hier 243 559-2 der Deutschen Reichsbahn.
Für nicht Eisenbahnkenner: Diese Lok war schon einmal im „modernen“ Rot der DB unterwegs, wurde dann aber ausgemustert und von der Privatbahn DeltaRail gekauft und im „Look“ von 1990 wieder auf die Reise geschickt.

Aumühle ist Endstation der Hamburger S-Bahnlinie S21. Die S1 nach Poppenbüttel fährt hier aber entgegen der Anzeige eigentlich nicht…

Fazit:
Strecke: 22km
Gehzeit: 7 Stunden

Die Tour war schon etwas länger als die erste Etappe, besonders der Abschnitt durch den Wald zog sich doch schon recht lang, was aber angesichts der tollen Natur absolut in Ordnung war. Ich hätte nach einer Pause sicher noch weiter gehen können, aber ich wäre dann auch nicht sinnvoll zügig wieder zurück gekommen und es fehlte mir mal wieder etwas an Zeit.

Etappe 1: Hammoor – Trittau

So, endlich geht es los! Auf nach Pisa! Die erste Etappe der Schiefen Tour nach Pisa!
Schon ein komisches Gefühl. Was wird mich erwarten? Was werde ich erleben?
Also los. Einen halben Tag frei geschaufelt, Sachen gepackt und raus aus der Haustür.
Das Ziel greifbar nah. Trittau. Mit dem Auto vielleicht eine Viertelstunde, ich habe Fünfeinhalb eingeplant für die 16 Kilometer.
Ein Hauch von Abenteuer und Fernweh liegt schon in der Luft.
Komisch, was man sich so ausdenkt und einbilden kann.

Damit Ihr die Strecke nachvollziehen könnt, findet Ihr hier den genauen Routenverlauf:

Nach 400 Metern ruft schon das erste Abenteuer. Portemonnaie vergessen. Brauche ich nicht. Fahrkarte nach Hause? Trampen? Oh nein. Im Notfall kann ich mir keinen Kaffee kaufen. Das geht gar nicht! Also nochmal nach Hause, Portmonaie geholt. 20 Minuten weniger Zeit um nach Trittau zu kommen.

Ich höre schon das Mittelmeer rauschen! Ach neee, doch nur die Autobahn.

Das Autobahnkreuz Bargteheide. Links die B404 die zur A21 ausgebaut werden soll. Ob die schon fertig ist, wenn ich in Pisa angekommen bin?

Die A1. Google sagt ich benötige von hier aus mit dem Auto 14 Stunden nach Pisa bei üblicher Verkehrslage. Zu Fuß sollen es 12 Tage sein. Mal sehen, ob das stimmt.

13km noch bis Etappenziel Trittau. Auf der Straße. Pisa ist aber leider noch nicht ausgeschildert.

Endlich. Felder, Wiesen, Bäume, Ruhe! Nur das Rauschen der nahegelegenen Bundesstraße und zwitschernde Vögel sind zu hören. Langsam merke ich, dass ich eine Sache nicht bedacht habe. Wenn ich immer in Richtung Süden laufe, scheint mir die Sonne häufig direkt ins Gesicht. Mal sehen, was ich da mache. Sonnenbrille wäre eine gute Idee, in Richtung Norden nach Pisa zu laufen vielleicht keine allzu gute. Morgens Richtung Südwesten, Nachmittags Richtung Südosten schon eher. Aber ob das mit den sonstigen Wegeswünschen zu zusammenpasst… Wälder sind in solchen Fällen praktisch, dort stehen vollautomatische Schattenspender!

Nach wenigen Kilometern erreiche ich Mollhagen. Von hier aus geht es immer auf dem Bahndamm der ehemaligen Bahnstrecke Bad Oldesloe-Schwarzenbek nach Trittau. Vorab habe ich einige historische Aufnahmen recherchiert, die ich zu reproduzieren versuche. Also zumindest vom gleichen Punkt aus in die gleiche Richtung zu fotografieren. Gar nicht so einfach. Die Bahntrasse ist heute ein Radweg, der Bahndamm rechts und links ist stark mit Büschen bewachsen.

Würde es man nicht wissen, würde man an den ehemaligen Bahnhöfen einfach vorbei laufen. So auch hier in Mollhagen. Das Bahnhofsgebäude ist abgerissen, nur einige Hallen und der markante Raiffeisen-Turm deuten auf den ehemaligen Bahnhof hin – wenn man es weiß. Sowieso sind ländliche Raiffeisen Lagerhallen ein gutes Indiz für alte Bahnhöfe.

Die Vergleichsaufnahme findet sich im Archiv des Kreises Stormarn:

Link

Auch hier der Link zum Vergleich.

Hinter Mollhagen ist eine Lücke im offiziellen „Bahnradweg Route B“, so dass es eine kurze Strecke entlang der Straße und dann ganz inoffiziell auf einem Trampelpfad nach Sprenge geht. Der dortige Bahnhof ist nicht so recht wieder zu finden, da das Gelände vermutlich überbaut wurde. Trotzdem hier die historische Aufnahme (Link).

Die Brücke dieser Aufnahme (Link) lässt sich aber wiederfinden, allerdings hatte ich gerade keinen Radfahrer zur Hand.

Eine Rampe führt den Radweg auf das höhergelegene Niveau der Bahntrasse. Hohes Niveau hat auch das Bild.

Ein Kilometerstein. An Kilometer 271 eine der vielen Feldwegüberwege. Ich habe mir gespart hier vom Bahndamm runterzupurzeln um die Brücke von unten aufzunehmen, ich will ja schließlich noch weiter…

7,5 km noch nach Trittau, das ist das Ziel für heute, die Hälfte ist geschafft.

Kurz vor Dwerkathen führt die Trasse in einen Einschnitt, der Rad- und Wanderweg führt nebenan hinauf. Hier war wohl früher eine Brücke. Aber offenbar nicht genau dort, wo heute für den Weg der Einschnitt zugeschüttet wurde, sondern ein paar Meter weiter. Die Fundamente sind noch deutlich zu erkennen.

Richtung Norden war der Blick von der Brücke offenbar einstmals so.

Richtung Süden sah es hier offenbar einmal so und so aus.

In Dwerkathen ist vom Bahngelände nur das Bahnhofsgebäude selber übrig geblieben. Da dies heute ein privates Wohnhaus ist und auch einige Leute bei diesem schönen Wetter draußen waren habe ich auf ein Foto verzichtet.

Nun geht es durch ein Waldstück weiter nach Grönwohld.

Ein Rettungspunkt mitten im Wald. Ist der hier auf dem Weg liegende Baum auch ein Not-Fall?

Unschafe

Ein ehemaliges Postengebäude.

Bekannt wurde Grönwohld durch seine Fernsehrolle als „Büttenwarder“.

Im Archiv habe ich folgendes Bild aus Grönwohld gefunden: LINK
Jeder Eisenbahnfuzzy (ergo Fotomacher) würde dieses Bild heute von der Kamera löschen und sich ärgern, dass ihm diese Hütte ins Bild gesprungen ist. Heute ein Zeitdokument. Schauen wir uns die Perspektive heute an:

Etwas netter, aber trotzdem „nur“ ein Nachschluss: LINK

Und hier das Vergleichsbild:

Auch hier ist der Zug schon abgefahren.

Nun ist auch schon fast Trittau erreicht. Ein Viadukt im Wald kündigt die Bahnstrecke der Südstormarnschen Kreisbahn an, die bis 1953 hier aus Hamburg via Glinde kommend Trittau erreichte. Nicht erst wie der frische Asphalt vermuten lässt erst seit kurzem ein Radweg, sondern schon in den 1960er Jahren, was Archivfotos belegen.

Nur am Dach des Bahngebäudes ist diese Stelle wieder zu erkennen (Historisches Foto). Selbst die Straße hat vor kurzem offenbar ihren Verlauf leicht geändert.

Das ehemalige Bahngelände habe ich mir jetzt nicht näher angeschaut, obwohl der Besitzer höflich auf eine Besichtigung einlud.

Vergleichsfoto von Raimund Jünger aus dem Jahr 1974:

Aufnahme von Raimund Jünger

Der Bereich wo einstmals die Bahnsteige gewesen sein müssen ist komplett mit Einfamilienhäusern bebaut worden. Eine mögliche Reaktivierung der Strecke irgendwann somit leider fast unmöglich.
Auf dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz eine Überraschung: Hier sieht es so aus als wenn in einer halben Stunde der nächste Zug kommt. Zwar nichts los, aber ein schönes Ensemble mit einem gut erhaltenen Bahnhofsgebäude, einer Bushaltestelle und einer Wendeschleife in deren Mitte ein großer, alter Baum trohnt. Dieser ist mein „Merker“ für die Fortsetzung der schiefen Tour nach Pisa. Ab hier wird es das nächste Mal weiter gehen.

Einzig die Bahnhofsgaststätte scheint derzeit nicht geöffnet zu sein. Tatsächlich fahren die Busse hier immer noch eine Runde über den gesamten Bahnhofsvorplatz, obwohl eine größere Haltestelle am Straßenrand der Hauptstraße wahrscheinlich gereicht hätte. Und Busse fahren hier regelmäßig in alle Himmelsrichtungen.
So auch meiner in Richtung Bad Oldesloe. Ich muss zwar zweimal umsteigen, dennoch bin ich in weniger als einer Stunde zu Hause.

Fazit:
Strecke: 16km
Gehzeit: 5 Stunden

Ich merkte die Strecke schon in den Beinen, hätte aber durchaus noch weiter gehen können. Leider ließ mein Zeitbudget nicht mehr zu und die Rückfahrt wäre schwieriger geworden.
Das Wichtigste: Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!
So, die erste Etappe ist geschafft, so auch mein erster derartiger Blogeintrag. Ich hoffe er hat gefallen. Über Rückmeldungen freue ich mich sehr!

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