Die Schiefe Tour nach Pisa

Zu Fuß ans Mittelmeer

Autor: Stefanau

Geocaching

So, jetzt muss ich mal was erläutern was vielleicht einigen nicht ganz klar ist. Keine Ahnung ob Ihr das kennt, daher schreibe ich mal was über das Geocaching. Ihr lest ab und an was davon, dass wir rechts und links des Weges ab und an mal einen Cache „mitnehmen“. Das machen wir nicht im wirklichen Sinne, denn einfach mitnehmen macht man einfach nicht.
Von vorne für alle die Geocaching nicht kennen:
Jemand versteckt einen Behälter (Brotdose, Filmdose, PET-Flaschen Rohling (sowas gibt’s…), Gameboyspielverpackung, Vogelhäuschen, Kiste) irgendwo, stellt die GPS-Koordinaten ins Internet und wer sich dazu berufen fühlt sucht dann danach. Drin ist ein „Logbuch“ in dem man dann mindestens sein Pseudonym und Datum niederschreibt. Manchmal auch „Tauschgegenstände“, also Kleinkram wie Sticker, Ü-Ei-Figuren und anderen Dingen die man für wertvoll erachten könnte.
Moderne Schnitzeljagd sagt man manchmal auch dazu.
Klingt einfach, ist es aber manchmal nicht. Jeder Cache ist anders.

Die wichtigsten Cachetypen

  • Traditionals: Sind einfach irgendwo versteckt, die Koordinaten kann man im Internet einsehen.
  • Multis: Caches mit mehreren Stationen. An den Koordinaten geht es los, eine Dose muss dort aber nicht versteckt sein. Vielleicht findet man einen Hinweis oder in der Beschreibung ist hinterlegt was man hier machen soll. (Buchstaben zusammenrechnen oder Kieselsteine zählen z.B.) Daraus errechnen sich dann die nächsten Koordinaten. Oft ist die nächste Station wenige 100m weg, gibt aber auch lange Wanderungen auf denen mehrere Rätsel gelöst werden müssen.
  • Mysteries: Um die ersten Koodinaten zu erhalten muss erst ein Rätsel gelöst werden. Das kann einfach sein (Finde diese Statue im Umkreis von 50m) oder sehr schwierig. Oft kann (oder sollte) das Rätsel auch vorher von zu Hause aus gelöst werden. Es können eine oder mehrere Stationen folgen.

Am Ziel erwartet einen i.d.R. ein Behälter unterschiedlichster Größe. An Straßenschildern oder in deren Pfosten, an Leitplanken, Baumstümpfen, Geländern, Bänken…

Einige „Dosen“ sind schnell zu finden, einige sind SEHR gut versteckt. Ein geschultes Auge hilft hier irgendwann ungemein.

Wie sowas aussehen kann findet Ihr zahlreich auf Youtube, so auch hier:

Regeln

Einfach:
Der Cache soll so zurückgelassen werden wie vorgefunden. Also alles wieder gut verstecken.

Mehr oder weniger schwierig:
Man sollte sich nicht beobachten lassen. Sogenannte Muggels (oder einfach: Menschen die damit nix am Hut haben) sollen nicht mitbekommen, wo sich ein Cache befindet.
Zum Einen, damit der Cache nicht „gemuggelt“ – also entfernt – wird und zum Anderen man nicht aus Versehen einen Polizeieinsatz auslöst. Gibt ja aufmerksame Mitbürger die auffälliges Verhalten gerne mal der Polizei melden. Man kann sich heutzutage einfach nicht mehr drauf verlassen, dass alle Leute brav auf ihr Smartphone starren! Kommt die Polizei wird man am Besten die Wahrheit sagen, fragt jemand anderes sollte man möglichst eine Ausrede parat haben.
Seitdem ich einmal in einem Wohngebiet sehr argwöhnisch beobachtet wurde und daher die „Dose“ nicht zurücklegen konnte meide ich sowas noch mehr.
Schließlich „loggt“ man ja nicht am Cache sondern etwas abseits. Eine Jackentasche und Rucksack sind hier hilfreich. Schnacken dann aber zwei Hundebesitzer direkt am Versteck hat man verloren und muss warten bis sie wieder weg sind und man die Dose unbeobachtet zurücklegen kann. Sehr unentspannt!
Hat also immer ein wenig was von Abenteuer.
Gemütlicher sind doch Caches in der Natur, wo weniger los ist und man sich nicht gleich beobachtet fühlt. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.
Man bekommt beim „Cachen“ Ecken zu sehen, die man sonst nicht entdeckt hätte. Oft stehen auch weitere Erläuterungen zum Ort in der Cachebeschreibung.
Geniale Caches gibt es einige. Hier ein paar Beispiele:

Es macht also grundsätzlich Spaß, auf die Suche zu gehen, Rätsel zu lösen und neues zu Entdecken. Besonders überrascht ist man, wo sich überall Geocaches finden. Nein, nicht nur auf der ISS, sondern auch zwei Straßen von deinem derzeitigen Aufenthaltsort entfernt (ich weiß, wo Du bist, haha!). Dort, wo man täglich vorbei geht.

Jeder Cache ist in zwei Kategorien bewertet.
Schwierigkeit:
Wie schwer ist das Rätsel zu lösen? Wie gut ist der Cache versteckt?
Terrain:
Finde ich den Cache am Baumstumpf neben dem Fußweg oder eher doch in der Baumkrone? Rodelberg oder Mount Everest? Stadtpark oder Dschungel?

Legal?
 In jedem Fall an sich nicht verboten. Sofern man sich auf öffentlichem Grund befindet. In den meisten Fällen illegal auf Privatgrund. Auch in einigen Wäldern, Naturschutzgebieten und Jagdrevieren sind diese nicht erwünscht. Da gibt es aber hinreichend Diskussionen in einschlägigen Foren und Wikis. Damit sollte man sich schon beschäftigen, bevor man einen Cache versteckt. Und wenn man einen Cache in einem „Lost Place“ sucht, sollte man sich da auch schon mal drüber Gedanken machen ob das alles so rechtens ist.
Und nun?
Ich kann jeden ermuntern, Geocaching einmal auszuprobieren! Es ist eine schöne Motivation, sich draußen zu bewegen. Egal ob exzessiv oder nur ab und an betrieben. Es gibt viele Facetten!

Apropos Facetten, z.B. diese hier auch noch:
– Nachtcaches: Lassen sich nur bei Dunkelheit und mit Taschenlampe finden, Gruselfaktor meist inklusive, sehr geil!
– Event-Caches: Eine Mischung aus Stammtisch und Flashmob. Man glaubt gar nicht wie viele Geocacher es so gibt! Einfach hingehen!
– CITO: Cache In Trash Out: Meeting zum Müllsammeln, befreit die Natur vom Müll!

Und wer mag, hier noch eine etwas längere Doku:

Ich hoffe, Euch hat diese kurze Erläuterung gefallen und Ihr wisst zukünftig was wir so alles auf dem Weg nach Pisa manchmal am Wegesrand so finden…

Etappe 4: Geesthacht – Winsen (Luhe)

Das Datum für die 4. Etappe der Schiefen Tour nach Pisa war nicht zufällig der 10. September 2017. Schließlich fanden an diesem Tag Sonderfahrten des HEIDE-EXPRESS (LINK) auf der Strecke Winsen-Niedermarschacht statt.
Eigentlich ein Wunder, dass es diese 17 km lange Stichstrecke bis in die heutige Zeit geschafft hat. Wenige Güterkunden halten die Strecke am Leben. Personenverkehr gibt es schon seit 1966 nicht mehr, bis auf wenige Sonderfahrten im Jahr.
Doch zurück zum Ende. Von der vorigen Etappe. Die Geesthachter Schleuse erreichen wir mit dem Bus über die Autobahn aus Bergedorf.

Nun geht es entlang der B404 erst über den Schleusenkanal und dann über die Elbe. Hier befindet sich Europas größte Fischtreppe und eine Staustufe, die die Elbe von der Nordsee trennt.

Europas größte Fischtreppe. Soso.

Ok, hier ist nun nicht die Nordsee aber die Gezeiten der selbigen wirken sich bis hierhin aus. Dazu nutzte das 2011 stillgelegte Kernkraftwerk Krümmel das Wasser für die Kühlung.

Ein Blick zurück nach Schleswig-Holstein

Die alte Fischtreppe. Wirkt etwas natürlicher, hat aber wohl nie so richtig funktioniert.

Ein kurzes Stück wandern wir direkt an der Elbe, weiter neben dem Elbdeich bis nach Marschacht.

Woher wissen die, wo ich lang will?

Das KKW Krümmel. Wohnt da das Krümmelmonster?

Das ist zwar erstmal die falsche Himmelsrichtung aber die Bahnstrecke führt nun immer noch dort hin wo man einstmals mit der Fähre die Elbe queren konnte bevor das Wehr und die Brücke 1960 erbaut wurden. Ganz stimmt das nicht, denn die Strecke endet inzwischen kurz vor dem Ort an dem Gleisanschluss der Firma Bruno Bock.
Dort befindet sich auch der Bahnhof Niedermarschacht-Achterdeich wo die Museumszüge heute enden.

Bahnhof Niedermarschacht-Achterdeich.

In diesem Werk endet die Strecke

Endlose Weiten…

Immobilienbesichtigung

Ein erstes Foto des Sonderzuges auf dem Weg nach Niedermarschacht (s. oben)

Entlang der Strecke befinden sich zahlreiche Geocaches, Teil eines „Powertrails“ mit dem Namen „Das Kartenspiel“. Die Caches die wir recht schnell finden „nehmen wir mit“, andere finden wir nicht auf Anhieb und sparen uns diese. Wir haben einen genauen Zeitplan einzuhalten, um vernünftige Fotos der Sonderfahrten aufnehmen zu können. So hier kurz vor Eichholz und in Eichholz selber.
Entlang der Eichholzer Straße geht es durch den „Gewerbepark Eichholz“. Nicht groß aber größer als das Dorf selber.

Auf dem Rückweg nehmen wir den Zug bei Eichholz auf

Der Bahnhof Eichholz ist derzeit außer Betrieb. Also selbst die Museumssonderzüge halten hier nicht mehr.

Ja, was soll man dazu sagen. Immerhin einigermaßen arbeitnehmerfreundliche Zeiten.

Brücken über Brücken… Man glaubt ja gar nicht wie wenig Platz so auf dem Land hier ist dass man die Brücken auch noch stapeln muss… Das Flüsschen drunter heißt wohl Ilau-Schneegraben. Ja, irgendwann war das Wasser sicher mal Schnee…

Weihnachtsmarkt-to-go

Nochmal endlose Weiten

Irgendjemand hat den Bauernhof aus dem Bilderbuch geklaut und hier hin verfrachtet. Man beachte die Details!

Wir queren Oldershausen und erreichen die Ilmenau. Ein Fluß der heute eher nach einem Kanal aussieht. Schnurgerade links Fluß, Mitte Deich, rechts Bahnstrecke. Zumindest aus unserer Perspektive.

Wir erreichen ein altes Wehr (LINK), an dem uns ein Steg zur Mittagspause einlädt. Das Nadelwehr in Fahrenholz stammt aus dem Jahr 1888. Hier staute man das Wasser mit Hilfe von Holzpflöcken, die von der Strömung gegen einen Steg gedrückt werden. Die Schleuse ist heute noch für Freizeitskipper geöffnet, Frachtkähne fahren hier schon lange nicht mehr.

Der Fahrplan trieb uns weiter nach Fahrenholz, wo die Bahnstrecke kurz auf den Deich geführt wird. Hier wollte ich gerne ein Foto machen. Das Ergebnis hier:

Nicht im Bild war links davon der Abbau von „Rock am Deich“ im Gange.

Oh! Eine Kurve!

In Mover passten wir den Zug bei seinem einzigen Unterwegshalt ab.

Wieder einige schnurgerade Kilometer weiter fanden wir uns in Tönnhausen wieder. Hier gab es mal einen Hafen. Ok, vielleicht auch heute noch, aber so richtig der Bär steppt hier nicht mehr.

Port of Tönnhausen

Immerhin konnten wir hier den Sonderzug ein fünftes und letztes Mal für heute digital verewigen. Die Dorfjugend wollte irgendwie unbedingt mit ins Bild. Das Holzhaus ist nicht das ehemalige Bahnhofsgebäude sondern steht nur so am ehemaligen Bahnsteig rum.
Bei Nettelberg überqueren wir die Ilmenau. Hier führt eine markante Brücke die Bahnstrecke über diesen Kanalfluss. Oder Flusskanal? Egal. In Nettelberg befand sich einstmals auch ein Haltepunkt, heute mangels Bahnsteigkante mehr Punkt als Halt.

Ehemaliger Haltepunkt Nettelberg

Nebenan ist noch Eisenbahn“betrieb“. Eine Wagenabstellung.

Gleisanschluss von Kali+Salz in Tönnhausen

Im Alten Pumpenhaus – oder Sperrwerk oder irgendwas in der Richtung – kann man eine Zeitreise 50 Jahre in die Vergangenheit machen.

Vorsicht! Schnellfahrten!

Hups…

Die Bahnstrecke in Winsen

Nach einigen Kilometern und Caches durch die Feldmark und Winsen erreichen wir unser heutiges Ziel – den Winsener Bahnhof.
Nun haben wir uns erstmal eine Stärkung verdient! Schließlich war dies bisher die längste Etappe auf dem Weg nach Pisa. Einmal sitzend merken wir in unseren Beinen jeden einzelnen der 24 Kilometer.

Fix und fertig und glücklich es geschafft zu haben. Ein tolles Gefühl!
An ein Zielfoto denke ich erst im Zug.

Distanz: 24 km
Gehzeit: 8,5 Stunden incl. Pausen und Wartezeiten (Zug kam nicht on-demand)

Etappe 3: Aumühle – Geesthacht

Diesmal mit Begleitung (nenne wir ihn „Malte“) geht es auf die 3. Etappe in Richtung Pisa.
Unseren Ausgangspunkt Aumühle erreichen wir mit dem Auto.
Den genauen Verlauf findet Ihr hier:

Hier geht es weiter: Der Bahnhof Aumühle

Es fährt immer noch eine S1 nach Poppenbüttel. Da hat sich die Anzeige aber im Standort vertan…

Ah, hier ist sie also!

Es geht durch Aumühle entlang zahlreicher schöner alter Villen, an einem Bismarckturm (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Bismarckturm_(Aum%C3%BChle)

und einem Insektenhotel (siehe die Projektseite des BUND) vorbei.

So ein Quatsch. Insekten können doch gar nicht lesen!!!

An der Heilig-Geist-Kirche findet man den Hinweis, dass der Gottesdienst heute in Aumühle stattfindet. Na da kamen wir ja gerade her und so weit zurück wollten wir dann auch nicht laufen.
Nach Durchqueren des alten Wohltorfer Ortskernes erreichen wir die Wentorfer Lohe. Bis 1997 war dieses Gelände ein Truppenübungsplatz. Daher finden sich hier einige Überbleibsel, wie z.B. dieser „Panzerberg“.

Hier oben stand ich bereits vor einigen Jahren mit einer Gruppe Geocacher um einen (für mich ersten) Nachtcache zu heben. Leider ist dieser nicht mehr aktiv. Nur irgendwie kam mir die Gegend damals dunkler vor…

Den Berg erklommen wir irgendwie um oben unseren Kaffeebedarf zu decken (ok, das wäre auch unten gegangen, dann hätte man aber nicht den Ausblick auf die zahlreichen Walkergruppen genießen können). Die Betonrampe ist so steil, dass man lieber nebenan im Gras geht. Sie wird offenbar regelmäßig als Bierflaschenrobustheitstestrutsche genutzt, davon zeugen Scherbenteppiche auf beiden Seiten.
Im Hellen erschien das Gelände weit weniger unheimlich als damals beim Nachtcache, eher sogar sehr schön! So planten wir das Gelände absichtlich nicht auf dem kürzesten Weg zu erkunden.
In der Umgebung des Panzerberges sollte ein Cache zu finden sein, nur leider fanden wir zumindest auf Anhieb keinen Weg dort hin der uns nicht durch dichtestes Buschwerk geführt hätte. Also sparten wir uns diesen und machten wenig später lieber einen Abstecher entlang eines wunderschönen Baches zu einem Traditional Cache (LINK).

Allerdings wären hier Gummistiefel weitaus angebrachter als Turnschuhe gewesen. Nach kurzer Suche fanden wir den Cache und kehrten mit semitrockenen Füßen zurück zum Hauptweg.

Ein schöner Bach quert das Gelände. Da wir das Gelände queren, müssen wir auch den Bach queren. Mangels Querung hüpfen wir quer über die Steine. Quer, oder?

Na, wer findet das schwarze Schaf?

Nach Queren der weitläufigen Freiflächen ging es wieder in den Wald. Nun suchten wir einen auf Openstreetmap als Trampelpfad markierten Weg mit Brücke über einen Bach. Den Weg fanden wir noch mit sehr viel Phantasie (quer durch den Wald wäre deutlich einfacher gewesen), die Brücke (man sollte nicht alles glauben was man auf Openstreetmap so sieht, aber zum Glück kann man das ja bearbeiten.) aber nicht.

Nur mehr oder weniger zufällig im Wasser liegende Steine ließen uns den Bach, (es waren eher drei oder vier Bäche) durchqueren. Nass konnten unsere Schuhe ja nicht mehr werden. Waren sie ja schon. Die Wege bitte nicht verlassen. Und wenn der Weg irgendwie weg ist? Andere bezahlen für Abenteuerurlaub viel Geld.

Das Dschungelbuch

Irgendwann fand sich dann doch noch ein Trampelpfad

Wilde Tiere in freier Natur. Den Zaun mal weggedacht.

Mist, verlaufen! Der Eiffelturm steht doch in Paris und nicht in Pisa!

. Der Weg führt uns weiter durch Kröppelshagen (nur echt mit Tankstelle für den Getränkenachschub) in die Dalbekschlucht. Wer braucht schon Zivilisation.

Schöner Angelteich.

Naturtunnel auf dem Weg in die Schlucht…

Auch hier in der Dalbekschlucht gibt es einen schönen Nachtcache für den eine starke Taschenlampe zu empfehlen ist. Die Schlucht selber ist ein schönes Stück Natur. Ein Einschnitt im Geesthang. Die Dalbek schlängelt sich immer tiefer in den Geesthang, der Weg führt eher am oberen Rand entlang. Vielleicht auch ganz gut, denn in den vergangenen Wochen hat Hochwasser große Flächen im Tal zu einer Schlammcatcharena werden lassen. Die Dalbek ist ein sehr kurzes Flüsschen. Entspringt es doch kurz vor der Schlucht, mündet es kurz darauf in den Knollgraben. Ok, kennt auch keiner, weil noch kürzer.
Die Dalbek gilt es nun zu überqueren. Die erste Möglichkeit erinnert uns an zuvor. Brücke bei Openstreetmap eingezeichnet. Nur nicht vorhanden. Von der Flut weggespült? Egal. Wozu macht man Weitsprungtraining.
Dass sich 100 Meter weiter eine „richtige“ Brücke befindet haben wir dann lieber ignoriert.

Wir verlassen die Schlucht nach Escheburg. Einige Häuser haben hier einen tollen Blick über die Norddeutsche Tiefebene, befindet sich der Ort doch direkt auf dem Geesthang. Fast wie Blankenese nur ohne Elbe.

Wie wahr!

Im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Escheburg befindet sich heute ein Italiener. Kaum dort fängt es an zu Schütten wie aus Eimern. Wie ärgerlich. Müssen wir hier wohl doch einkehren. Mal sehen ob in Pisa die Pizza genau so gut schmeckt.

Escheburg Hauptbahnhof

Kaum aufgegessen wird das Wetter auch wieder besser (ist ja klar, hat Mama auch schon immer gesagt).
Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn von Bergedorf nach Geesthacht. Immerhin fahren hier noch Museumszüge und es gibt die Überlegung diese Strecke für den SPNV (Schienenpersonennahverkehr) wieder zu reaktiveren. Sinnvoll wäre es, denn Geesthacht hat ca. 30.001 Einwohner und ist nur per Bus zu erreichen…

Nun sind wir am Rand der Vier- und Marschlande. Die am dünnsten besiedelte Landschaft in Hamburg. Ja, Hamburg. Flach sind hier nicht nur meine Witze sondern auch die Landschaft. Die Elbe hat hier im Laufe der Jahre nach der Weichseleiszeit (ist das schon wieder so langer her…) dieses sehr breite Tal geformt. Das Elbe-Urstromtal.

Wir überqueren der „Marschenautobahn“ A25 und begeben uns zu einem ganz besonderen Punkt, nicht ohne dort noch einen, zwei, drei Caches einzusammeln. Wer einmal am westlichsten Punkt Europas war, weiß, dass es dort die berühmte „letzte Bratwurst vor Amerika“ gibt. Die im Übrigen genauso durchschnittlich schmeckt wie jede andere Bratwurst auch, natürlich zu einem überdurchschnittlichen Preis. Und eine Menge Touristen und einen gigantischen Ausblick auf den Atlantik.
So ähnlich ist es hier auch. Am östlichsten Punkt Hamburgs. Eine Menge Matschpfützen und einen semigigantischen Ausblick auf Wald und Stacheldrahtzaun eines Polizeiübungsgeländes. Nicht einmal ein Cache würdigt diesen einmaligen Platz! Da ist noch Potenzial!

Der östlichste Punkt Hamburgs

Bunkerreste

So, was wäre eine Die Schiefe Tour nach Pisa-Etappe ohne stillgelegte Bahnstrecke. Die „Hamburger Marschbahn“ waren einstmals mehrere Strecken hier über die Dörfer. Wahrscheinlich fahren heute im Jahr mehr Radfahrer auf den übriggebliebenen Trassen als damals Fahrgäste. Mehr zur Geschichte findet sich auf Wikipedia (LINK).
1950 sollen hier also die letzten Züge auf dem Bahndamm aus Richtung Zollenspieker nach Geesthacht gerollt sein. Radfahrer sind an dieser Stelle hier aber eher weniger unterwegs und auch als Fußgänger ist der Weg beschwerlich, denn auf dem Bahndamm verläuft sich ein Reitweg. Leider haben wir unsere Klapppferde nicht dabei. Dass wir dennoch hier einigermaßen gehen können liegt am sandigen Untergrund der das Wasser schneller abfließen lässt.

Der ehemalige MatschMarschbahndamm

Noch weniger Marschbahndamm

Bunkerreste

Bunkerreste

In diesem Wald entdecken wir zahlreiche Bunkerreste und Straßenlaternen rechts und links des Weges. Hier befand sich offenbar einstmals eine Pulver- und Munitionsfabrik. Näheres findet sich auf dieser interessanten Webseite des NDR (LINK).

Ein Geocache führt uns auf eine große Freifläche mit zwei hohen Dünen. Schon die dritte einmalige Landschaft auf dieser Wanderung!

„Besenhorster Sandberge und Elbsandwiesen“ nennt sich die Landschaft hier. Dabei haben wir weder einen Besen gefunden noch einen Horst getroffen. Dafür gibt es hier schon durchaus Sandberge wie man sieht.

Mit Unterquerung der B404 erreichen wir die Geesthachter Zivilisation. Es ist noch Zeit, dem Bus entgegenzulaufen, so gehen wir bis zur Geesthachter Schleuse. Diese Schleuse passieren die Schiffe auf Ihrer Fahrt von Hamburg elbaufwärts in Richtung Dresden.

Die Geesthachter Schleuse

Die andere Seite der Geesthachter Schleuse

Hier endet nun die 3. Etappe. Mein Mitläufer ist begeistert, beschwert sich aber über schmerzende Füße. Selber Schuld!

Distanz: 22 km
Gehzeit: 8 Stunden incl. Pausen

Das Vorhaben

Nach den ersten beiden Reiseberichten mal ein paar Erläuterungen über das „Was“ und „Wieso“.
Je mehr ich darüber nachdachte desto besser gefiel mir die Idee, eine solche „gestückelte“ Wanderung zu machen.
Machen wir mal einen „Vergeichstest“:

Eine lange Wanderung Viele kürzere Wanderungen
Dauer Einige Wochen oder Monate innerhalb eines Jahres Einige Wochen oder Monate über mehrere Jahre verteilt
0 0
Planung Einmal ausführlich, lange Vorbereitungszeit, oder nicht so detailliert Kleinere Stücke mit jeweils einigen Monaten Vorlauf, daher mit noch mehr Details möglich
++
Vorfreude 1x einige Monate Während jeder Unterbrechung, also in Summe mehrere Jahre
+ +++
Kosten Übernachtungen* dort, wo man so ankommt + Rückreise Mehrfache Hin- und Rückreisen, Übernachtungsmöglichkeiten können kostenoptimiert ausgewählt werden*
++
zurück-
gelegte km
Hinweg + Rückweg Hinweg + (Anreise+Abreise) x Unterbrechungen
+ +++
GESAMT + ++

* Wo wohne ich?
Ja das ist halt so die Frage. Wo übernachtet man. Im Zelt und das Equipment mitschleppen oder lieber in einem weichen Bett mit Dusche und evtl. Frühstück? Ich habe mich vorläufig für zweites entschieden. Es muss ja nicht immer ein Hotel sein. Ein Sofa per Airbnb gemietet reicht ja auch. Oder eine Jugendherberge. Oder jemand den man kennt wohnt in der Nähe. Zu Beginn geht ja zur Not auch das eigene Bett.

Was will ich sehen?
Ihr fragt Euch bestimmt wonach ich meine Routen plane.
Persönlich habe ich ein großes Interesse an Eisenbahn. Das heißt, ich werde teilweise entlang von Bahnstrecken oder stillgelegten Bahnstrecken wandern. Viele ehemalige Bahntrassen wurden zu Radwanderwegen ausgebaut. Hier lässt es sich natürlich auch entspannt wandern.
Ich werde versuchen hier auch historische Aufnahmen zu finden, um zu sehen wie sich die entsprechenden Strecken verändert haben.
Weiterhin sind natürlich Berge, Täler, Flüsse und Wälder interessant. Ab liebsten natürlich in Kombination.

Wie lange brauche ich?
So richtig weiß ich das auch noch nicht. Google sagt für den direkten Fußweg 1343 km. Erste Erfahrungen bei der Vorplanung der ersten Etappen sagen mir, dass ich etwa doppelt so viele km laufe wie der direkte Weg wäre. (Ich will ja auch rechts und links der Strecke was sehen und nicht entlang von Hauptverkehrsstraßen wandern.) Das sind dann 2686 km. Auf bisherigen Wanderungen war ich mit ca. 3 km/h im Durchschnitt unterwegs (incl. Pausen, Fotos machen, Geocaching, Navigieren). Das macht dann 895h oder 37 Tage. Ein Monat durchwandern. Wäre ja mal was. Für Blasenpflasterhersteller und RedBull vielleicht.
Pro Tag setze ich mal 22km als Mittelwert an. Das sind dann schon 122 Tage und 122 Etappen. Finde ich 8 Tage im Jahr zum Wandern (Priorität hat immer noch die Familie!) sind das mehr als 15 Jahre. Also 2032 bin ich dann in Pisa. Ich weiß, das ist ein sehr langfristiger Plan, aber schon mal ein Plan!

Ich?
Ich rede hier immer von „ich“. Klar, ich bin ja auch „ich“. Das heißt ja nicht dass ich alle Etappen alleine laufen muss. In ein paar Jahren sind meine Kinder groß genug vielleicht auch mitzulaufen. Meine Frau, Freunde oder gar Fremde. Ich laufe gerne alleine, aber auch gerne in Gesellschaft!

Sind hiermit die wichtigsten Fragen beantwortet? Nein? Schreibt mir!

Etappe 2: Trittau – Aumühle

Auf geht es zur zweiten Etappe auf der Schiefen Tour nach Pisa!
Das heißt: Ich hab nach der 1. Etappe Gefallen gefunden und werde die Tour fortsetzen.

Hier die Route:

Mein als Opel Corsa getarnter Ferrari bringt mich zurück zum Bahnhofsvorplatz Trittau. Ja, der Bahnhofsvorplatz mit Bahnhofsgebäude aber ohne Bahnhof, dafür mit Baum.

Von diesem ausgehend führt der Weg schnell zurück auf die ehemalige Bahntrasse mehr oder weniger schnurgerade durch Trittau. Oder besser: Trittau periphär tangierend.

Von daher bekommt man hier vom Ort wenig mit, bis auf den Blick auf einen Bogenschießplatz und abzweigende Wege in die Hahnheide, einem zum Naturschutzgebiet deklarierten Wald. Darin lt. Openstreetmap:
– Großer Hahnheider Berg (99m)
– Kleiner Hahnheider Berg (100m)
Vielleicht mache ich dort noch vor meiner Alpenquerung ein Höhentraining. Aber das hat noch etwas Zeit, von daher wandere ich weiter auf der Bahntrasse und erreiche den ehemaligen Bahnhof Trittau-Vorburg.

Früher sah es hier so aus: (LINK)

Ein etwas anderer Blickwinkel: (LINK)

Der Bahnübergang sieht heute fast noch genauso aus. Zumindest die Straße, die darüber führt.: (LINK)

Den dort auf der Bahntrasse liegenden Geocache spare ich mir entgegen der ursprünglichen Planung ob des wilden Bewuchses des für ein kurzes Stück wegfreien Bahndammes.
Weiter geht es auf der anderen Straßenseite vermeintlich auf dem Bahndamm, dann allerding wurde mir schnell klar, dass der Damm rechts des Weges, hinter dem ganz scheu ein Reh hervorblickte, dann wohl der wirkliche Bahndamm ist.

Eindeutig klar wurde dies an diesem tollen Viadukt über die Bille. Du Bille, Sie Bille, nein einfach Bille. Dieses Flüsschen wollte ich nun auf dem weiteren Lauf in Richtung Hamburg ein Stück weit begleiten. Aber noch nicht ab hier. Hier lockte ein Geocache auf den Bahndamm. Beim Besteigen desselbigen hoffte ich auf dem Rückweg hier nicht herunterzupurzeln, denn Bahndämme sind ja bekanntlich recht steil. Ein schöner Blick ergibt sich auf der anderen Seite über die Felder und die Bille.

Das dachte sich auch der Errichter dieses Rastplatzes.

Ein Trampelpfad führt auf dem Bahndamm weiter, verläuft dann aber leider im Gebüsch. Und ob es einen Weg nach unten gibt weiß ich auch nicht so recht. Also drehe ich lieber um und gleite mehr oder weniger elegant den Damm hinunter und setze den Weg neben dem Bahndamm bis Hamfelde fort.


Landschaft.


Noch mehr Landschaft.

Eine Schnecke wartete hier schon in der Überholung:


Stiller Beobachter.

In Hamfelde gab es einst einen Haltepunkt: (LINK)

Er müsste sich links dieses Gebäudes befunden haben.

Heute ist die Papiertonne dran.

Von Hamfelde nach Dahmker geht es nun schnurgerade auf der Trasse weiter. Irgendwo mittendrin die Überraschung: Ein Gleisrest!

Ganz klassisch im Bahnübergang locken einige Meter zum Befahren mit einem Schienenfahrzeug. Leider besitze ich keine Klappdraisine, sonst hätte man diese hier nicht nutzen können, denn es sind ja nur ein paar Meter.
In Dahmker verlasse ich dann endgültig die Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Bad Oldesloe – Schwarzenbek. Weiter ginge es wohl nur offway. Am hisigen Bahnübergang findet sich neben einem weiteren Gleisrest ein weiteres Überbleibsel der Vergangenheit.

Sprengschächte. Wer nicht weiß, dass es sowas gibt, denkt an schlichte Gullideckel. Leser dieses interessanten Beitrags auf geschichtsspuren.de wissen um die Bedeutung. Kurz gesagt hat man hier vorbereitet, dass falls im Kalten Krieg „der Russe kommt“, man den Bahnübergang schlicht hätte wegsprengen können um in Kombination mit der Bahntrasse ein Hindernis zu haben. Schließlich ist die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze hier kaum 30km weit weg. Hoffen wir, dass wir nie wieder für so etwas Notwendigkeit haben. Wo sie nicht störten, hat man die Schächte bis heute so belassen. Nicht nur hier wie ich später feststellte.
Regen. Nieselregen. Gut, dass ich einen Regenschirm dabei habe. Allerdings nur wenige Minuten.
Bäume gibt’s…

In Kuddewörde ist es bereits wieder trocken. Zumindest von oben. Ein Abstecher führt mich zur Bille.

Die starken Regenfälle brachten zeitgleich im Harz die Flüsse zum Überlaufen, hier auch. Stören tut es aber nur ein paar Pferde und Gassigeher, die ihre Anglerhosen nicht dabei haben um den auf die Brücke folgenden Wasserweg trockenen Fußes nutzen zu können.

Leise Befürchtungen, dass durch den hohen Pegelstand der im weiteren Verlauf durch mich zu begehende Billewanderweg teilweise überflutet sein können bestätigten sich zum Glück nicht.
Hier treffe ich zum ersten Mal auf den E1. Nein, nicht die Autobahn in Portugal, sondern den Europäischen Fernwanderweg E1. Diesen werde ich im weiteren Verlauf meiner Wanderung nach Pisa sicherlich öfter queren oder teilweise nutzen, schließlich verläuft dieser vom Nordkap nach Sizilien, da liegt Pisa ja auch grob in der gleichen Richtung.

Ich überquere die B404 wieder mit Hilfe einer Brücke. Grande. Bekannt durch die Autobahnabfahrt. Toll solche unscheinbaren Dörfchen, die nur weil eine Autobahnabfahrt so benannt ist doch irgendwie jeder kennt. Und sei es nur aus dem Verkehrsfunk.

Die Grander Mühle. Die Gaststätte hat leider noch zu, daher muss an der Kreuzung der Bäcker für eine Wegzehrung herhalten. Hier kann man sein Kanu in die Bille einsetzen, außer vom 1. März bis 14. August. Gut, dass ich sowieso zu Fuß gehen wollte.
Wer jetzt oben dem Link zu Geschichtsspuren.de gefolgt ist, wird auf dem 2. Bild eine Reihe vorbereiteter Trägerstecksperren entdecken. Unauffällig auffällig.
Ach herrje habe ich schon viel geschrieben. Ich hoffe ich langweile Euch nicht mit Details?

Nach einem kurzen Schlenker führt mein Weg, ebenso der E1, zur Bille, an der ich jetzt fast 10 Kilometer auf dem Billewanderweg bis Aumühle laufe. Leider an einigen Stellen etwas sehr viel matschig aber sonst sehr schön. Nutzwald links (teilweise getarnt durch ein paar Meter Naturwald), Bille rechts. Teilweise auf Flußniveau, teilweise mit echten Steiluferchen, immer bisschen rauf und runter.

Eigentlich wollte ich hier kurz nach der Halbzeit des Weges ja meine zuvor gekaufte Wegzehrung vertilgen, doch irgendwer hat vergessen im Naturschutzgebiet Bänke aufzustellen. Und der Boden ist doch sehr nass. Also kurzerhand ein Hochsitz gemietet und dort hoch gesetzt.

Es folgen 10 Kilometer perfekte Natur, Ruhe, Erholung. ABER: Selten habe ich mich so über Autobahnlärm aufgeregt. Fast die gesamten etwa 4 Kilometer bis zur Autobahn denkt man „in 200m laufe ich unter der Autobahn durch“. Erst als diese dann tatsächlich unterlaufen ist, wird es irgendwann ruhiger. Schallschutzwände auch in die Wälder!
Der Bus zurück von Aumühle nach Trittau fährt im Stundentakt. Beliebte Frage: Beeilen, oder Zeit lassen und eine Stunde später fahren. Als das Erreichen des Busses ohne besondere Eile aussichtslos erscheint, entscheide ich doch bis Aumühle vollständig an der Bille entlang zu wandern und nicht abzukürzen, wie es der E1 empfiehlt.
Ganze 2 Hundespaziergänger begegnen mir hier in Zivilisationsnähe.

Irgendwann ist dann doch Aumühle erreicht, auf einem See sind Jungschwäne zu beobachten. Ebenso Gäste zweiter Gasthäuser. Theoretisch hätte ich jetzt hier auch einkehren können und die Wanderung in Richtung Geesthacht fortsetzen können.

Das hebe ich mir aber für später auf, vertrödle die restliche Wartezeit auf den Bus auf der Bahnhofsbrücke mal wieder ein paar Eisenbahnfotos zu machen.

Gut, dass ich nicht nach Hamburg muss!

Hier geht es weiter: S-Bahnhof Aumühle

Besonders hervorzuheben hier 243 559-2 der Deutschen Reichsbahn.
Für nicht Eisenbahnkenner: Diese Lok war schon einmal im „modernen“ Rot der DB unterwegs, wurde dann aber ausgemustert und von der Privatbahn DeltaRail gekauft und im „Look“ von 1990 wieder auf die Reise geschickt.

Aumühle ist Endstation der Hamburger S-Bahnlinie S21. Die S1 nach Poppenbüttel fährt hier aber entgegen der Anzeige eigentlich nicht…

Fazit:
Strecke: 22km
Gehzeit: 7 Stunden

Die Tour war schon etwas länger als die erste Etappe, besonders der Abschnitt durch den Wald zog sich doch schon recht lang, was aber angesichts der tollen Natur absolut in Ordnung war. Ich hätte nach einer Pause sicher noch weiter gehen können, aber ich wäre dann auch nicht sinnvoll zügig wieder zurück gekommen und es fehlte mir mal wieder etwas an Zeit.

Etappe 1: Hammoor – Trittau

So, endlich geht es los! Auf nach Pisa! Die erste Etappe der Schiefen Tour nach Pisa!
Schon ein komisches Gefühl. Was wird mich erwarten? Was werde ich erleben?
Also los. Einen halben Tag frei geschaufelt, Sachen gepackt und raus aus der Haustür.
Das Ziel greifbar nah. Trittau. Mit dem Auto vielleicht eine Viertelstunde, ich habe Fünfeinhalb eingeplant für die 16 Kilometer.
Ein Hauch von Abenteuer und Fernweh liegt schon in der Luft.
Komisch, was man sich so ausdenkt und einbilden kann.

Damit Ihr die Strecke nachvollziehen könnt, findet Ihr hier den genauen Routenverlauf:

Nach 400 Metern ruft schon das erste Abenteuer. Portemonnaie vergessen. Brauche ich nicht. Fahrkarte nach Hause? Trampen? Oh nein. Im Notfall kann ich mir keinen Kaffee kaufen. Das geht gar nicht! Also nochmal nach Hause, Portmonaie geholt. 20 Minuten weniger Zeit um nach Trittau zu kommen.

Ich höre schon das Mittelmeer rauschen! Ach neee, doch nur die Autobahn.

Das Autobahnkreuz Bargteheide. Links die B404 die zur A21 ausgebaut werden soll. Ob die schon fertig ist, wenn ich in Pisa angekommen bin?

Die A1. Google sagt ich benötige von hier aus mit dem Auto 14 Stunden nach Pisa bei üblicher Verkehrslage. Zu Fuß sollen es 12 Tage sein. Mal sehen, ob das stimmt.

13km noch bis Etappenziel Trittau. Auf der Straße. Pisa ist aber leider noch nicht ausgeschildert.

Endlich. Felder, Wiesen, Bäume, Ruhe! Nur das Rauschen der nahegelegenen Bundesstraße und zwitschernde Vögel sind zu hören. Langsam merke ich, dass ich eine Sache nicht bedacht habe. Wenn ich immer in Richtung Süden laufe, scheint mir die Sonne häufig direkt ins Gesicht. Mal sehen, was ich da mache. Sonnenbrille wäre eine gute Idee, in Richtung Norden nach Pisa zu laufen vielleicht keine allzu gute. Morgens Richtung Südwesten, Nachmittags Richtung Südosten schon eher. Aber ob das mit den sonstigen Wegeswünschen zu zusammenpasst… Wälder sind in solchen Fällen praktisch, dort stehen vollautomatische Schattenspender!

Nach wenigen Kilometern erreiche ich Mollhagen. Von hier aus geht es immer auf dem Bahndamm der ehemaligen Bahnstrecke Bad Oldesloe-Schwarzenbek nach Trittau. Vorab habe ich einige historische Aufnahmen recherchiert, die ich zu reproduzieren versuche. Also zumindest vom gleichen Punkt aus in die gleiche Richtung zu fotografieren. Gar nicht so einfach. Die Bahntrasse ist heute ein Radweg, der Bahndamm rechts und links ist stark mit Büschen bewachsen.

Würde es man nicht wissen, würde man an den ehemaligen Bahnhöfen einfach vorbei laufen. So auch hier in Mollhagen. Das Bahnhofsgebäude ist abgerissen, nur einige Hallen und der markante Raiffeisen-Turm deuten auf den ehemaligen Bahnhof hin – wenn man es weiß. Sowieso sind ländliche Raiffeisen Lagerhallen ein gutes Indiz für alte Bahnhöfe.

Die Vergleichsaufnahme findet sich im Archiv des Kreises Stormarn:

Link

Auch hier der Link zum Vergleich.

Hinter Mollhagen ist eine Lücke im offiziellen „Bahnradweg Route B“, so dass es eine kurze Strecke entlang der Straße und dann ganz inoffiziell auf einem Trampelpfad nach Sprenge geht. Der dortige Bahnhof ist nicht so recht wieder zu finden, da das Gelände vermutlich überbaut wurde. Trotzdem hier die historische Aufnahme (Link).

Die Brücke dieser Aufnahme (Link) lässt sich aber wiederfinden, allerdings hatte ich gerade keinen Radfahrer zur Hand.

Eine Rampe führt den Radweg auf das höhergelegene Niveau der Bahntrasse. Hohes Niveau hat auch das Bild.

Ein Kilometerstein. An Kilometer 271 eine der vielen Feldwegüberwege. Ich habe mir gespart hier vom Bahndamm runterzupurzeln um die Brücke von unten aufzunehmen, ich will ja schließlich noch weiter…

7,5 km noch nach Trittau, das ist das Ziel für heute, die Hälfte ist geschafft.

Kurz vor Dwerkathen führt die Trasse in einen Einschnitt, der Rad- und Wanderweg führt nebenan hinauf. Hier war wohl früher eine Brücke. Aber offenbar nicht genau dort, wo heute für den Weg der Einschnitt zugeschüttet wurde, sondern ein paar Meter weiter. Die Fundamente sind noch deutlich zu erkennen.

Richtung Norden war der Blick von der Brücke offenbar einstmals so.

Richtung Süden sah es hier offenbar einmal so und so aus.

In Dwerkathen ist vom Bahngelände nur das Bahnhofsgebäude selber übrig geblieben. Da dies heute ein privates Wohnhaus ist und auch einige Leute bei diesem schönen Wetter draußen waren habe ich auf ein Foto verzichtet.

Nun geht es durch ein Waldstück weiter nach Grönwohld.

Ein Rettungspunkt mitten im Wald. Ist der hier auf dem Weg liegende Baum auch ein Not-Fall?

Unschafe

Ein ehemaliges Postengebäude.

Bekannt wurde Grönwohld durch seine Fernsehrolle als „Büttenwarder“.

Im Archiv habe ich folgendes Bild aus Grönwohld gefunden: LINK
Jeder Eisenbahnfuzzy (ergo Fotomacher) würde dieses Bild heute von der Kamera löschen und sich ärgern, dass ihm diese Hütte ins Bild gesprungen ist. Heute ein Zeitdokument. Schauen wir uns die Perspektive heute an:

Etwas netter, aber trotzdem „nur“ ein Nachschluss: LINK

Und hier das Vergleichsbild:

Auch hier ist der Zug schon abgefahren.

Nun ist auch schon fast Trittau erreicht. Ein Viadukt im Wald kündigt die Bahnstrecke der Südstormarnschen Kreisbahn an, die bis 1953 hier aus Hamburg via Glinde kommend Trittau erreichte. Nicht erst wie der frische Asphalt vermuten lässt erst seit kurzem ein Radweg, sondern schon in den 1960er Jahren, was Archivfotos belegen.

Nur am Dach des Bahngebäudes ist diese Stelle wieder zu erkennen (Historisches Foto). Selbst die Straße hat vor kurzem offenbar ihren Verlauf leicht geändert.

Das ehemalige Bahngelände habe ich mir jetzt nicht näher angeschaut, obwohl der Besitzer höflich auf eine Besichtigung einlud.

Vergleichsfoto von Raimund Jünger aus dem Jahr 1974:

Aufnahme von Raimund Jünger

Der Bereich wo einstmals die Bahnsteige gewesen sein müssen ist komplett mit Einfamilienhäusern bebaut worden. Eine mögliche Reaktivierung der Strecke irgendwann somit leider fast unmöglich.
Auf dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz eine Überraschung: Hier sieht es so aus als wenn in einer halben Stunde der nächste Zug kommt. Zwar nichts los, aber ein schönes Ensemble mit einem gut erhaltenen Bahnhofsgebäude, einer Bushaltestelle und einer Wendeschleife in deren Mitte ein großer, alter Baum trohnt. Dieser ist mein „Merker“ für die Fortsetzung der schiefen Tour nach Pisa. Ab hier wird es das nächste Mal weiter gehen.

Einzig die Bahnhofsgaststätte scheint derzeit nicht geöffnet zu sein. Tatsächlich fahren die Busse hier immer noch eine Runde über den gesamten Bahnhofsvorplatz, obwohl eine größere Haltestelle am Straßenrand der Hauptstraße wahrscheinlich gereicht hätte. Und Busse fahren hier regelmäßig in alle Himmelsrichtungen.
So auch meiner in Richtung Bad Oldesloe. Ich muss zwar zweimal umsteigen, dennoch bin ich in weniger als einer Stunde zu Hause.

Fazit:
Strecke: 16km
Gehzeit: 5 Stunden

Ich merkte die Strecke schon in den Beinen, hätte aber durchaus noch weiter gehen können. Leider ließ mein Zeitbudget nicht mehr zu und die Rückfahrt wäre schwieriger geworden.
Das Wichtigste: Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!
So, die erste Etappe ist geschafft, so auch mein erster derartiger Blogeintrag. Ich hoffe er hat gefallen. Über Rückmeldungen freue ich mich sehr!

Herzlich willkommen in meinem Blog über eine besondere Wanderung.

Die Schiefe Tour nach Pisa

Wie oft hört man von Leuten, die bereits lange Wanderungen unternommen haben. Jakobsweg und Konsorten. Ein bisschen neidisch bin ich da schon. Einfach weiter gehen, von Tag zu Tag neue Gegenden kennen lernen. Aber die Zeit!? Wer hat die schon? Auf die Rente warten? Mit 32? Beruf aufgeben und vom Ersparten, Pfandpflaschen oder gar nichts leben?
Mehrere Wochen / Monate weg von der Familie? Nein!
Da kam mir der Gedanke das Ganze in Etappen aufzuteilen. Jedes Jahr ein paar Tage, so wie es mein Zeitplan erlaubt.
Ich möchte ans Mittelmeer. Einmal längs durch Deutschland und über die Alpen. Pisa ist erklärtes Ziel. Da kann ich noch einige Zeit schön entlang des Mittelmeeres laufen. Und der Wortwitz passt auch ganz gut.

Das Rezept für diesen Blog:

700g Eisenbahn,
davon 300g stillgelegte Strecken
250g Fotografie
125g Unsinn
50 Dosen Geocaching
Eine Prise Lostplaces
Das alles in einer Schale schöner Natur verrührt und mit Gebirgsbachwasser auf einer Waldlichtung aufgekocht

So, jetzt muss ich nur noch die Zutaten einkaufen. Der Preis ist hoch: Zeit.

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