Die Schiefe Tour nach Pisa

Zu Fuß ans Mittelmeer

Schlagwort: Ollsen

Etappe 6: Ollsen – Schneverdingen

Christi Himmelfahrt. Vatertag. Bollerwagen und Bier. Es geht auch ohne! – Bollerwagen.

Umstieg in Buchholz(Nordheide). Hier waren wir schon mal! Richtig! Und hier werden wir auch wieder sein, mit müden Füßen, glücklich aber erschöpft! Doch erstmal los! Kurz nach 9 setzt uns der Bus am Ponyhof ab. Diesmal ist es bedeutend wärmer als beim letzten Mal als wir hier waren.

Nun begaben wir uns auf diesen Weg:

 

Na, wer hat wohl mehr PS auf dem Ponyhof?

 

Ein letzter Blick zurück nach Ollsen

Im Gegensatz zur vorigen Etappe war heute unser Ziel klar: Schneverdingen. Vorher wäre es schwierig gewesen, wieder mit dem Bus wegzukommen.Wir gehen erst entlang der Straße und dann auf einigen Sandwegen bis Sudermühlen.


Als Fußgänger soll man hier wohl Limbo tanzen.

Dafür wird man mit einer Brücke belohnt. Pferde müssen sich mit einer Furt begnügen, sieht man sonst auch selten!


Was soll das sein?


Die Sudermühle

In Sudermühlen gönnen wir uns einen Kaffee und wandern durch den Wald auf dem „alten Postweg“. Überall finden sich Reitwege. Unser Kapppferd haben wir wieder nicht dabei.



Hier sind wir auf dem Holzweg

Über den Pastor-Bode-Weg geht es durch das Zentrum der Lüneburger Heide. Eine wirklich tolle Landschaft! Einige alte Ställe verfallen in der Wildnis. Beinahe surreal. Mal so ganz anders als das sonst so typisch landwirtschaftlich geprägte Norddeutschland.




Eine Bank bietet sich für eine Pause an. Hier hört man nur das Rauschen des Waldes und der A7 und hat ein tolles Panorama vor sich. Wirklich toll!





Ein Geocache führt uns zu Hannibals Grab. Zumindest heißt die Steinsammlung so, wirklich begraben liegt der Hund, äääh… Hannibal wohl doch woanders, es sieht hier wohl nur so aus wie an Hannibals Grab.

„Hannibals Grab“

Weiter geht es auf einen Schlenker zum Totengrund, eine weitere „Sehenswürdigkeit“ in der Lüneburger Heide.Uns kommt eine Gruppe jüngerer Herren entgehen, die uns Getränke aus ihrem Bollerwagen anbieten. Zwei „kurze“ Momente später stehen wir am Totengrund. Ebenfalls eine sehr beeindruckende Landschaft! (Fotos zeigen ist einfacher als umschreiben, daher hier halt Fotos)

Der Totengrund – eine sichere Bank!


Der Maulwurf hat eine Abkürzung übers Feld genommen.

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Wilsede. Wären die ganzen Touris nicht, fühlte man sich tatsächlich um 150 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Das Dorf gleicht einem Museum. Alte Ställe, Kopfsteinpflasterstraßen und nur ganz wenige Autos. Was das ausmacht, so ein Dorf fast ohne Asphaltstraßen und Autos!!! Wunderschön!






Wir gönnen uns einen Hopfensaft und eine Heidschnuckenwurst. Schaf. Aber nicht scharf. Nur wenn man die Brille auf hat. Die Sonne scheint immer noch. Es ist ein Wetterumschwung mit Gewitter angesagt. Doch die machen um uns bisher einen großen Bogen und toben lieber dort wo wir heute nicht sind – zuhause!

Ein Baum beim Mittagsschlaf

Nun heißt es Kletterausrüstung einpacken! Wir besteigen einen Berg! Den höchsten Berg der Lüneburger Heide! Mit 169m Höhe immerhin höher als ein zwanzigstel der Zugspitze. Ganze 94 km müssten wir laufen um den nächst höheren Berg zu erklimmen. Das geht nicht mal auf der Zugspitze. Also los! Erst eine alte Allee entlang, dann einen Wanderweg durch den Wald. Der Weg wird immer steiler und beschwerlicher bis wir die Baumgrenze erreichen. Über den nackten Fels klettern wir an einer Schutzhütte vorbei, die letzte vor dem Gipfel. Keine Zeit für Pause. Die Höhenluft macht uns zu schaffen. Es wird immer kälter. Vor lauter Anstrengung schauen wir nicht nach unten, bis… ja bis wir nach mehreren Stunden endlich den Gipfel erreichen! Ein Unglaubliches Panorama liegt vor uns!

Ok, ein wenig übertrieben. Nur „Wir sind eine Viertelstunde nen leicht ansteigenden Weg langgelatscht bis wir oben auf dem Hügel standen mit einem ganz netten Ausblick“ hätten nicht so spannend geklungen. Aber der Wetterumschwung kam schon genau zum passenden Moment und fühlte sich schon ein wenig so an als wären wir gerade mit der Seilbahn auf einen 2000m-Berg gefahren.


Nun war es plötzlich doch etwas bedeckt, deutlich kühler und diesig. Ein ganz leichtes Gewittergrummeln war zu hören, aber wir hatten Glück. Das Gewitter verschonte uns.


Heidschnucken am Notfalltreffpunkt.

In Niederhaverbeck gönnten wir uns noch ein Getränk und ein Eis, obwohl das Wetter nicht mehr so ganz so danach war. Aber geplant ist halt geplant… Der weitere Weg war wenig spannend. Weiterhin die gleiche, wunderschöne Heidelandschaft. Einige tolle Ausblicke gibt es auf den Fotos.







Ohne Worte…



Ein heimlicher Beobachter


Keine sichere Bank.

Kurz vor Schneverdingen machten wir noch eine letzte Pause am Silvestersee. Ein idealer Ort für einen Vatertagsausflug – dachten nicht nur wir. Vermutlich heißt er so da ganz Schneverdingen hier Silvester feiert. Vielleicht.


Der Bahnhof Schneverdingen. Heute der Endpunkt unserer Tour. Wann geht es weiter?

In Schneverdingen hatten wir noch ausreichend Zeit um neben dem Bahnhof uns einen fleischbelegten Teigfladen zu uns zu nehmen – dachten wir. In Wirklichkeit dauerte die Zubereitung derer um ein vielfaches länger als der Verzehr, so dass wir diese doch im Zug verspeisen mussten. Der „Erixx“ fährt uns hier auf der Heidebahn pünktlich bis nach Buchholz.

Ah, hier ist sie doch, die Zugspitze!

Da waren wir wieder in Buchholz(Nordheide). Mit müden Füßen, glücklich aber erschöpft!

Für die 27 km haben wir (mit Pausen) 10:45 Stunden benötigt. Wir haben uns also recht viel Zeit gelassen. Egal!

 

Etappe 5: Winsen (Luhe) – Ollsen

Winsen, Donnerstag 15. Februar 2018. 7:12 Uhr.
Februar!!! Irgendwas muss uns durchgeknallt sein, dass wir heute, bei etwa 0 Grad, und angesagtem Schneeregen uns auf den Weg machen. Den Weg weiter nach Pisa. Naja, Nahziel ist erstmal die Lüneburger Heide.
Es ist kalt. Nicht so, dass man sofort erfriert, nein, es ist eher eine Kälte die so ganz langsam in die Kleidung kriecht, sobald man sich nicht mehr bewegt. Natürlich sind wir nicht in Badehose unterwegs und den Wetterbericht haben wir auch studiert und sind dementsprechend gekleidet. Und ja, sicher geht es auch noch deutlich kälter. Trotzdem wären uns Sonnenschein und 20 Grad etwas lieberes Wanderwetter gewesen. Kommt noch. Sogar in Pisa klettert das Thermometer heute auch nicht über 10 Grad und Regen ist dort auch angesagt. Von daher ist es gar nicht so schlimm dass wir noch nicht dort sind. So liegt der Weg noch vor uns.
Damit die Kälte eben nicht ganz langsam in die Kleidung kriecht, sobald man sich nicht mehr bewegt, bewegen wir uns.
Zunächst einmal schnell nachholen, was wir letztes Mal vergessen haben. Ein Foto unseres vorigen Etappenzieles und heute Beginnes – der Bahnhof Winsen.

Etwas später stelle ich fest, dass der Autofokus in meiner Kamera ausgeschaltet war. Naja…

Hier zum Nachverfolgen der Streckenverlauf:

Also geht es zunächst durch Winsen. In der Schule hier fängt gerade der Unterricht an. Auf dem Fahrrad kommen uns Pendler auf dem Weg zum Bahnhof entgehen. Auf die Idee hier zu Wandern kommt außer uns niemand.

In Hamburg sind wir zwar nicht, einen Jungfernstieg gibt es trotzdem.


Diese Straße hat man wohl vergessen, weiterzubauen.

Wir unterqueren die A39 und erreichen Luhdorf. Man könnte lästern ob sich da beim ersten Buchstaben jemand im Alphabet um einen Buchstaben vertan hat. Machen wir aber nicht.

Luhdorf hat einen Bahnhof. Und zwar den der OHE-Bahnstrecke Winsen-Soltau. Ein Herr hält an und fragt, ob er fragen dürfe, was wir denn hier so fotografieren. Darf er. Verdattert fährt er weiter und ich dokumentiere fotografisch den Bahnhof mit einem Abstellgleis. So wirklich oft fährt hier nichts, die Gleise sind angerostet und geplante Museumsfahrten hatte ich im Vorwege dieser Tour auch nicht gefunden.

Das verstehe ich nicht. Es gibt doch bereits eine Trasse durch die Nordheide und der ICE fährt auch schon durch Winsen. Anscheinend wollen die Luhdorfer gerne einen ICE durch Ihr Ortsschild fahren lassen. Oder wollen sie nur einen eigenen ICE-Halt? Es ist zumindest derzeit keine neue Trasse mehr geplant. Nur ein Ausbau der bisherigen Strecke durch Winsen.

Am Luhekanal existiert eine Kanu-Slalomstrecke.

Wie spazieren entlang des Luhekanals über eine breite, alte Allee in den Morgen hinein. Hier liegen ein paar Geocaches die wir natürlich „mitnehmen“.

Hinter Bahlburg endet unser Weg im Bahlburger Bruch und wir erreichen die ehemalige Bahnstrecke Buchholz-Lüneburg. Ein Abschnitt der Strecke Bremerhaven-Berlin
Wikipedia

Im Wald fanden sich Bäume, Büsche, Tiere, Blätter, einen alten Bahndamm und eine Nähmaschine.

Rechts und links des Weges sprießt schon grünes Gras! Der Frühling kommt!


Der alte Bahndamm


Was ist das?


Noch 248km bis Berlin!


Ein altes Signalmastfundament

Die Schienen sind abgebaut, aber sonst ist der Bahndamm noch deutlich als solcher zu erkennen. Wir folgen dem Bahndamm bis nach Wulfsen. Hier kreuzten sich die zuvor schon gesehene OHE-Strecke Winsen-Soltau mit der DB Strecke Buchholz-Lüneburg. Das Bahnhofsgebäude von Wulfsen ist vorbildlich restauriert, die Bahnsteige und der Gleisbereich hat sich selber renaturiert.


Kurz vor Winsen die Brücke über die OHE-Strecke





Man beachte den Gleisrest in der Straße

Etwas abseits vom Bahnhof machen wir Frühstücks- und Mittagspause zugleich beim örtlichen EDK.


Das Bahnhofsgebäude von Wulfsen


Gleisreste am Bahnhof …


Bahnhofsgebäude in Wulfsen mit selbst renaturiertem Gleisbereich.


250km bis Berlin


Das ehemalige Bahngelände in Wulfsen wird jetzt teilweise bebaut.


Der Bahndamm hinter Wulfsen


Noch ein Durchlass


Der ehemalige Bahnsteig in Tangendorf


Eine Brücke über die Hauptstraße – von oben.

Wir verfolgen auf Parallelwegen die Strecke durch Tangendorf bis unter die Autobahn A7.


Na, was bedeutet dieses Signal?
(Ich weiß es, sag‘ es aber nicht, hihi…)


An km 254 wohnen die Bienen


Hier unterquerte die Strecke die Autobahn A7.

Nach der Unterführung verlassen wir die Strecke endgültig und erreichen ein ehemaliges Tonabbaugebiet bei Brackel. Den dortigen Geocache finden wir nach einiger Suche. Von der hier ehemals existenten Feldbahn erkennt man nur noch den Bahndamm und einige Gleisprofile, die als Zaun aus der Erde ragen.


Ein ehemaliger Bahndamm der Feldbahn im Tonabbaugebiet.


Dorfszene. Man beachte die Kuh. Ein Anwohner fragt ob wir das denn gesehen hätten und ob das so seine Richtigkeit hätte. Wir wissen es nicht. Ist ja vielleicht die Hofkuh auf Wachposten.

Nach einem kurzen Kaffee-Tankstopp laufen wir zunächst parallel zur Hauptstraße und dann über schöne Wald- und Feldwege nach Hanstedt. Hagel vom Typ Viele-kleine-Körnchen-die-so-fies-pieken-auf-der-Haut begleitet uns durch den Ort.





Hier hätten wir bequem den Bus zurück nehmen können, doch irgendwie fühlen wir uns noch nicht „fertig“ genug und wagen noch weitere 4 Kilometer weiter bis nach Ollsen.

Etwa auf halben Weg bleiben wir stehen. Bisher merkten wir den zurückgelegten Weg schon ein wenig – jetzt holt er uns ein. Die „Schallmauer“ von 30 Kilometer macht den Weg mühsam. Keine Schmerzen, keine Erschöpfung, nein, es ist undefinierbar. Die Beine sind schwer, es ist kalt. Eine unsichtbare Bremse. Der Bus fährt erst in einer halben Stunde, also haben wir keine Motivation uns zu beeilen. Dennoch wollen wir das Ziel erreichen. Wir sind glücklich und erschöpft, aber nicht fix und fertig. Aber im Warmen sitzen wäre schon was! So erreichen wir stolz das erreichte Maximal-Etappenziel.



Die Wanderung war kein Ponyhof, aber die Bushaltestelle heißt trotzdem so… Ein natürlich unbeheiztes, einsames Haltestellenhaus lässt uns die letzten 20 Minuten frieren. Werden wir hier beim nächsten Mal doch noch auf Ponys treffen?

32 Kilometer liegen hinter uns. In 9 Stunden incl. Pausen haben wir diese Strecke bewältigt. Das ist in km/h gerechnet schneller als die vergangenen Etappen, aber die Temperaturen luden auch einfach nicht zu längeren Pausen ein. So haben wir einige Kilometer auf dem Weg nach Pisa gut gemacht!

Wir freuen uns auf eine schöne 6. Etappe durch die Lüneburger Heide, dafür sind dann aber angenehmere Temperaturen bestellt.

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